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Ausführliche Informationen:

Filme aus der Musicbox

Eine DVD läßt das Lebensgefühl der 1960er Jahre auferstehen
Text: Dr. Carl-Hellmut Hoefer

Eine Musicbox, in der nicht etwa Schallplatten, sondern Filme stecken. Und zwar gleich vierzig faszinerende 16mm-Streifen mit italienischen Hits aus den 1960er Jahren. Früher stand dieses technische Wunderwerk in vielen Kneipen. Jetzt sind die herrlichen Kurzfilme auf einer DVD zu haben, die man genauso bedienen muß, wie früher die Musicbox selbst. Dr. Carl-Hellmut Hoefer hat sie unter die Lupe genommen. Sein spontaner Kommentar: "Geile Party-Scheibe".

Fans von VIVA und MTV sind es gewohnt: das Bild, das den Musiktitel begleitet, in seiner Wirkung verstärkt und ihm zusätzliche Dynamik verleiht. Die Kids der heranwachsenden Generation können sich Musik ohne das begleitende und verstärkende Bild kaum vorstellen. So ganz neu ist das Multimedia-Feeling unserer Tage aber nicht.

Bereits in den ausgehenden 1950er Jahren experimentierte man mit Musikclips, damals natürlich auf der Basis des 16mm-Filmes, und entwickelte entsprechende "Hardware" für den Einsatz in Kneipen und Nachtbars. Eine jener nostalgischen Film-Musicboxen stand kurzzeitig im Hamburger Verlag atoll medien und gab Anlaß zur Produktion der hier vorzustellenden DVD. Die einzigartige Jukebox umwittert dabei eine nicht ganz unpikante Legende, die sich freilich nicht auf die Ebene historisch gesicherter Seriosität heben läßt. In Kennerkreisen munkelt man, daß die Produktion derartiger Boxen ein Produkt der wechselvollen Geschichte von Mafia und Camorra darstellt. Angeblich wurde eine unrentable Waffenfabrik der "Ehrenwerten Gesellschaft" umfunktioniert zur Produktionsstätte der Multimedia-Musiktruhen. Ein Blick auf das Innenleben der Maschine erinnert in der Tat an die Trommel eines altertümlichen Maschinengewehres.

Die einstmals im Italien der Fellini- und de-Sica-Zeit eingesetzte Musicbox ist mit vierzig italienischen und "internationalen" (sprich amerikanischen) Titeln geladen, auch ein deutscher Titel ("Sing ein Lied, Banjo-Boy") ist darunter. Zu jedem Musiktitel gibt es einen etwa drei Minuten langen 16mm-Filmclip, meist in Farbe. Neben internationalen Hits wie "African Waltz", "Twist in Love", "Let's twist again" und "Hava Nagila Hava" sind es natürlich die italienischen Songs, die durch damals oder noch heute berühmte Künstler beeindrucken: Marino Marini, Domenico Modugno und, nicht zuletzt, Milva.

Alle 16mm-Clips faszinieren durch ihren szenischen Minimalismus. Die Sänger, viele in der bieder steifen Kleidung der Nachkriegs-Bars und -Kabaretts, aufgepeppt allenfalls durch Elvis-Frisur oder für damalige Zeiten nur Künstlern und Zirkusleuten vorbehaltene Anzugstoffdesigns, agieren vielfach in Kulissen, die sich jeder Filmamateur der damaligen Jahre mit bescheidensten Mitteln im eigenen Wohnzimmer hätte schaffen können. Der eine oder andere Titel zeigt für jene Jahre aufregend offenherzige Dancing Girls - zwischen züchtig in Petticoats und den Tanzstundenkleidern der 1960er twistenden und jivenden Partystatistinnen. Auch Außenaufnahmen gibt es. Zum Beispiel die Fahrt einer Sängerin im damals für die meisten Zuseher, die ihre spärlichen Lire in den flüchtigen Illusionszauber der Box investierten, wohl unerreichbaren Porsche Cabrio durch eine italienische Großstadt. Umschwärmt wird die Stimmgewaltige dabei von einer Motorrad-Gang. Auch die laszive Atmosphäre eines Bordells der Fünfziger scheint in einem Clip schüchtern-spießig auf. Viele Filme leitet ein Vorspann ein, der ausweist, daß der jeweilige Titel mit Förderung des "Ministerio del Turismo e dello Spettacolo" läuft. Vermerkt ist neben den beteiligten Künstlern auch das Aufnahmedatum des Clips.

Jürgen Lossau macht dieses kleine Wunderwerk, das in einzigartiger Weise das Lebensgefühl der Sechziger in die eigenen vier Wände zu bringen vermag, allen Lesern über eine DVD zugänglich, die ab sofort bei uns erhältlich ist. Die Nostalgiescheibe eignet sich natürlich auch vorzüglich als Geschenk, für Ältere und Jüngere gleichermaßen. Lire fordert die Box heute erfreulicherweise nicht mehr, einige Euros sollte einem der Nostalgiespaß aber schon wert sein.

Die DVD, lauffähig auf jedem Player oder dem Computer, stellt ihrem Besitzer die Box in die eigenen (Bildschirm-)Räume. Auf dem Rückpro-Bildschirm, der das nostalgische Möbelstück dominiert, laufen permanent Trailer der Titel ab, bis man über die "Menü"-Option von Player oder Computer das Anwahl-Panel im Nierentisch-Look aufruft und dann den gewünschten Titel ausgewählt hat. Wer die Scheibe über den Computer laufen läßt, muß dann noch den Original-Startknopf mit der Maus betätigen, schon beginnt das schöne Spiel der Nostalgie. Ein auf Position 40 des Tableaus liegender Info-Button gibt einen Einblick in das Innenleben der Box - für alle technisch faszinierbaren Cineasten. Natürlich läuft die DVD auch etwa zwei Stunden ohne Unterbrechung, so daß wirkliche Partystimmung aufkommt, will man sich nicht immer wieder am technischen Wunderwerk selbst delektieren.

Größeres Bild von der Musicbox hier, weitere Standbilder: Bild 7, Bild 8, Bild 9, Bild 10, Bild 11

Best.-Nr. 6041 - (25.17 EUR netto) 29.95 EUR brutto

 
 
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